💔 Das Ende eines großen Traums – und trotzdem dankbar für 17 unvergessliche Tage
Heute klingelte unser Wecker also ein vorletztes Mal.
Morgen heißt es Abschied nehmen. Abschied von den USA, von dieser unglaublichen Reise und von einer Weltmeisterschaft, die uns in den vergangenen 17 Tagen einmal quer durch Nordamerika geführt hat.
Doch bevor es soweit war, stand noch ein letztes großes Highlight auf dem Programm.
Deutschland 🇩🇪 gegen Paraguay 🇵🇾.
Oder wie wir am Morgen noch scherzten:
“Heute wird Paraguay aufgefressen.”
Als wir aus dem Fenster schauten, strahlte uns die Sonne entgegen.
Besser hätten die Voraussetzungen kaum sein können.
Also schnell unter die Dusche, ein letztes Mal das Deutschland-Trikot übergestreift und los ging’s.
Zum Frühstück hatte Micha – unser persönliches Wikipedia, Tourguide und Allesfahrer aus dem Schwabenland – wieder einmal einen Volltreffer gefunden.
Ein typisch amerikanisches Diner.
Wir bestellten Scrambled Eggs und einen Kaffee.
Der Kellner schaute uns etwas verwundert an und fragte:
“No Tequila?”
Wir mussten alle lachen.
Keine zwei Minuten später stand das “Bostoner Frühstück” auf dem Tisch.
Ein großer Kaffee.
Ein großer Tequila.
Offenbar völlig normal.
Während wir frühstückten, wurde natürlich noch einmal ausführlich gefachsimpelt.
Wer spielt?
Wer sollte spielen?
Wie geht das Spiel aus?
Und gegen wen geht es danach?
Dass Deutschland gewinnt, daran zweifelte eigentlich niemand.
Ob 4:1 oder 1:0 – bei den Ergebnistipps war alles dabei.
In den vergangenen Blogbeiträgen habe ich bewusst versucht, und konnte einfach auch kaum Kritik äußern.
Nicht über die Menschen.
Nicht über die Länder.
Nicht über die Organisation.
Eigentlich hätte ich das bis zum Schluss gerne so durchgezogen.
Aber heute muss ich tatsächlich einmal etwas loswerden.
Die Anreise zum Gillette Stadium war leider alles andere als fanfreundlich.
Ob Uber, Bahn oder Mietwagen – völlig egal, für welche Möglichkeit man sich entschied, überall wurden Preise aufgerufen, bei denen man nur mit dem Kopf schütteln konnte.
Da wir ohnehin einen Mietwagen hatten, entschieden wir uns für die vermeintlich günstigste Variante.
Einen Parkplatz.
Preis?
240 US-Dollar.
Für einen Parkplatz.
Das sind weit über 200 Euro.
Und ganz ehrlich:
Das hat mit Fanfreundlichkeit nichts mehr zu tun.
Das ist in unseren Augen einfach nur Abzocke.
Trotzdem erreichten wir das Stadion rund zweieinhalb Stunden vor Anpfiff.
Schon von außen machte das Gillette Stadium mächtig Eindruck.
Und von innen sogar noch mehr.
Erster Gedanke:
Wieder eine glatte 10 von 10.
Bevor wir auf unsere Plätze gingen, hörten wir noch kurz Jürgen Klopp bei Magenta TV zu, ehe wir uns auf den Weg in den Block machten.
Es war brutal heiß.
Umso glücklicher waren wir, dass unsere Plätze ganz oben im Schatten lagen.
Manchmal braucht man eben auch ein bisschen Glück.
Wie vor jedem Spiel gehörte natürlich auch diesmal ein Budweiser dazu.
Dann wurde gemeinsam gesungen, gelacht und sich auf das Spiel eingestimmt.
Das Stadion war fest in deutscher Hand.
Überall schwarz, rot und gold.
Nach dem Warmmachen sagte ich noch zu Hansi:
“Irgendwie habe ich heute kein gutes Gefühl.”
Leider sollte sich dieses Gefühl bestätigen.
Über das Spiel möchte ich gar nicht viele Worte verlieren.
Denn leider zog sich vieles durch das gesamte Turnier.
Viel Ballbesitz.
Wenig Tempo.
Kaum Ideen.
Zu viele Flanken ins Nichts.
Zu wenig Mut.
Zu wenig Überraschungsmomente.
Und vor allem fehlte einfach die Durchschlagskraft.
Dann fiel das 0:1.
Mit einem Schlag wurde es still im deutschen Block.
Die Paraguayer konnten ihr Glück kaum fassen.
Zum Glück gelang uns dann in der zweiten Hälfte relativ schnell der Ausgleich.
Doch wer dachte, jetzt würde der berühmte Knoten platzen, wurde enttäuscht.
Paraguay machte genau das, was diese Mannschaft so stark macht.
Kämpfen.
Leiden.
Verteidigen.
Und genau das reichte an diesem Tag.
Die Verlängerung brachte schließlich noch einmal Hoffnung.
Eigentlich hatten wir sogar das vermeintliche 2:1 erzielt.
Doch der VAR kassierte den Treffer wieder ein.
Ob richtig oder falsch – darüber wird sicherlich noch lange diskutiert werden.
Aber am Ende wäre es ohnehin die falsche Ausrede gewesen.
Denn wir hatten über 120 Minuten genug Möglichkeiten, das Spiel selbst zu entscheiden.
Also musste das Elfmeterschießen entscheiden.
Und plötzlich kamen Erinnerungen hoch.
Ich dachte zurück an die Europameisterschaft 2016.
Damals war ich gemeinsam mit meiner Frau in Bordeaux dabei, als Deutschland Italien im Elfmeterschießen besiegte.
Was für ein Abend.
Ein gutes Omen?
Leider nicht.
Woltemade verschoss.
Havertz verschoss.
Da war für mich eigentlich klar:
Das wird heute nichts mehr.
Doch dann hielt Manuel Neuer tatsächlich den letzten Elfmeter der Paraguayer.
Ich konnte es kaum glauben.
Ich sprang.
Ich schrie.
Und ja…
Auch diesmal lief wieder eine Träne.
Vor Freude.
Vor Hoffnung.
Vor Erleichterung.
Doch nur wenige Augenblicke später zerplatzte dieser Traum.
Jonathan Tah verschoss ebenfalls.
Und als Paraguay schließlich den entscheidenden Elfmeter verwandelte, war es vorbei.
Aus.
Der Traum vom fünften Stern lebt weiter.
Aber unser Traum, diese Mannschaft noch viele weitere Spiele durch Nordamerika vor dem Bildschrim begleiten zu dürfen, war geplatzt.
Was danach blieb?
Stille.
Leere.
Enttäuschung.
Ratlosigkeit.
Wir sammelten uns.
Genau wie die Mannschaft.
Und trotzdem applaudierten wir.
Nicht für die Leistung.
Sondern für die vergangenen Wochen.
Für die gemeinsame Reise.
Für all die Erinnerungen.
Was mich allerdings wirklich traurig gemacht hat, war das Verhalten der Mannschaft nach dem Spiel.
Wir Fans nehmen drei Wochen Urlaub.
Wir reisen durch drei Länder.
Wir investieren unzählige Stunden, Kilometer und am Ende auch sehr viel Geld.
Nicht, weil wir müssen.
Sondern weil wir unsere Mannschaft unterstützen wollen.
Und dann hätte ich mir einfach gewünscht, dass die Mannschaft noch einmal geschlossen vor die Kurve kommt.
Nicht für eine große Show.
Nicht für schöne Bilder.
Sondern einfach, um Danke zu sagen.
Stunden zuvor hatten wir gesehen, wie Japan nach dem Ausscheiden gegen Brasilien minutenlang vor seinen Fans stehen blieb, sich verbeugte und bedankte.
Genau das hätte ich mir auch von unserer Mannschaft gewünscht.
Leider blieb dieser Moment aus.
Mit gesenkten Köpfen verließen wir schließlich das Stadion und machten uns auf den Weg zurück zu unserem wohl teuersten Parkplatz der Reise.
Eigentlich wollten wir den letzten Abend noch einmal richtig feiern.
Noch einmal alles genießen.
Doch danach fühlte sich einfach niemand.
Also ging es nur noch zum Italiener um die Ecke.
Ein letzztes Bier.
Ein Teller Pasta.
Und viele Gespräche über das, was wir in den vergangenen zweieinhalb Wochen alles erleben durften.
Kurz darauf schlossen wir ein letzztes Mal auf amerikanischem Boden die Augen.
Morgen geht unser Flug erst am späten Nachmittag.
Genug Zeit also, in Ruhe die Sachen zu packen und langsam Abschied zu nehmen.
17 Tage.
Drei Länder.
Acht WM-Spiele.
Unzählige Kilometer.
Und Erinnerungen, die uns vermutlich ein Leben lang begleiten werden.
Gleich folgt noch ein letzter Blogeintrag.
Dann ziehen wir ein persönliches Fazit dieser außergewöhnlichen Reise.
Bis dahin gilt:
Kopf hoch.
Lebbe geht weiter.
Dann holen wir den Pott eben 2028. 🇩🇪🏆
Vielen Dank, dass ihr uns auf dieser Reise begleitet habt.
Bis bald!
Euer WM-Reiseteam 🇩🇪❤️⚽
















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